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J70 World Championship 2017 – The worlds of records

Nach der Teilnahme am Italien Cup 2017, an Trainingswochenenden am Gardasee und an den Bodenseebattles stand für das BSC Sailing Team das große Finale in der Segelsaison 2017 vor der Türe. Vom 12.-16. September fand die Weltmeisterschaft der Internationalen J70 Klassengemeinschaft in Porto Cervo an der Costa Smeralda statt. Klaus, Martin, Denise und David reisten nach Sardinien und kämpften mit 160 weiteren J70 Booten aus 24 Nationen in spannenden Wettfahrten um eine bestmögliche Platzierung.

Lesen Sie einen Bericht des Teams.

Die Vorbereitung

Als Vorbereitung für dieses Großevent nutzten wir im Wesentlichen den Italien Cup 2017. In spannenden Wettfahrten in Sanremo, Malcesine und Riva haben wir sehr viel gelernt und an Erfahrung gewonnen. Der Hintergedanke der Teilnahme war, den Anschluss an die sehr starke und hochentwickelte italienische J70 Klasse zu finden. Erfahrungen und Tipps von italienischen Profis zu Riggtrimm, Segelwahl, Segeltrimm und Bootshandling halfen uns schneller zu werden und gaben uns Anstoß zu verschiedenen Optimierungen am Schiff. Auch das Verhalten in großen Regattafeldern beim Start und auf dem Regattakurs waren wichtige Beweggründe für uns, solche Events zu nutzen, auch wenn diese mit einem erheblichen Aufwand verbunden sind. Des Weiteren war auch ein Kennenlernen von anderen Segelbedingungen wie großer Welle (Sanremo & Monaco) oder stärkeren Winden (Malcesine, Riva) wichtige Argumente dafür, nicht nur am Bodensee zu trainieren. Die freien Trainings auf dem Bodensee nutzten wir vorwiegend für Manövertrainings und zur Optimierung von Abläufen am Schiff.

Die Anreise und unsere Unterkunft

Wir starteten am Donnerstag den 7. September zur Mittagszeit in das große Abenteuer. Mit der Pfänder an der Anhängerkupplung, vollgeladen mit Ausrüstung und Lebensmittel, kamen wir sicher in Genua an, wo wir pünktlich mit der Fähre ablegten. Am nächsten Morgen kamen wir mit leichter Verspätung, aufgrund von Gegenwind bei der Überfahrt, in Olbia an. Von dort war es noch eine gute halbe Stunde auf dem Landweg bis zur Marina von Porto Cervo. Da Martin das Appartement schon ein Jahr vorher gebucht hatte, konnten wir in einer super Lage mit Top Preis-Leistung nächtigen. Die Wohnung lag direkt angrenzend an die Marina und wir erreichten den Liegeplatz unseres Schiffes in wenigen Minuten und konnten bei Bedarf direkt angrenzend an unser Grundstück anlegen. Wir bekamen gleich einen Parkplatz für die Pfänder zugewiesen, wo wir das Schiff in Ruhe regattafertig für die Vermessung vorbereiten konnten. Wir nahmen uns den ganzen Freitag Zeit und brachten die Pfänder außen und innen auf Hochglanz, stellten das Rigg, bereiteten das laufende Gut vor und checkten noch einmal die komplette Ausrüstung. Somit stand der Vermessung am Samstagmorgen nichts mehr im Wege.

Die Vermessung als erste Challenge

Die Vermessungen, die im Rahmen von solchen Großveranstaltungen durchgeführt werden, stellten sich für manche Teams als Knackpunkt heraus. Die Internationale Klassenvereinigung führte die Vermessungen in Zusammenarbeit mit dem Yachtclub Costa Smeralda durch und schaute besonders genau hin. Jedes Schiff musste mehrere Stationen durchlaufen um schlussendlich ins Wasser zu dürfen. Segelvermessung, Wiegen, Ausrüstungskontrolle und Kontrollmessungen von Leinenstärken sind Standardkontrollen die durchgeführt wurden. Besonderes Augenmerk wurde in der letzten Station vor dem Einwassern auf den Kiel gelegt. Es wurde mehrere Kontrollmaße am Kiel genommen und die Form mit Schablonen und anderen Hilfsmitteln überprüft. Dabei wurden bei 7 Schiffen unerlaubte Modifikationen der Form, Länge und Gerüchte sagen auch am Material des Kiels festgestellt. Mehrere der betroffenen Schiffe und Teams versuchten über Nacht einen „originalen“ Kiel zur organisieren und einzubauen und so die Vermessungskriterien zu erfüllen. Doch dann kam das Urteil der Verantwortlichen: Die Meldung der 7 betroffenen Schiffe wurde nicht angenommen und ihnen wurde somit eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft verwehrt. Unter den betroffenen Teams waren auch Favoriten auf den Weltmeistertitel.

Dies führte zu einer spürbar aufgeheizten Situation vor Ort und auch in diversen Medien.

In unseren Augen ist es richtig solche strengen Kontrollen durchzuführen und dadurch die Einhaltung der Klassenregeln sicherzustellen und eine faire und seriöse J70 Klasse zu garantieren und zu wahren. Es darf keine Ausnahmen geben und es darf kein Auge zugedrückt werden.

Der Yachtclub Costa Smeralda

Der Yachtclub Costa Smeralda ist bekannt als verhältnismäßig junger Club mit großem Ansehen. Porto Cervo ist ein beliebter Austragungsort von Segel-Großveranstaltungen und ein traumhaftes Regattarevier. Das Clubgebäude zeigte sich in perfektem Zustand, die Mitarbeiter und Helfer an Land und auf dem Wasser waren sehr bemüht und super organisiert und der Club bestand sehr auf die Einhaltung von Regeln und Vorschriften. In der Marina und im Clubgebäude herrschte reger Betrieb, was auch daran lag, dass am ersten Wochenende der Maxi Yacht Rolex Cup und die Rolex Maxi 72 World Championship in Porto Cervo stattfanden.

2 Tage Training vor Ort

Der Hauptgrund der vorzeitigen Anreise nach Sardinien war die Absicht noch vor Ort zu trainieren. Wir liefen am Samstag- und Sonntagnachmittag aus und machten mehrere Trainingsschläge im Regattagebiet. Auch andere Teams nutzten die Zeit und trainierten in diesen Tagen. Schon während dem Training hatte es >20 Knoten Wind und die Prognosen sagten für die kommenden Tage noch höhere Windgeschwindigkeiten voraus.

Der Mistral machte dem Race Commitee fast einen Strich durch die Rechnung

Am Montag fegte der Mistral mit ordentlichem Druck über das Mittelmeer. Für uns hieß das kein Practise-Race am Montag und ausharren an Land. Wir hatten den ganzen Vormittag zu tun, die Pfänder sturmsicher zu vertauen. Das Problem war eine defekte Mooring, die erst durch einen Taucher der Marina repariert werden konnte. Am Montag und am Dienstag wurden an Land Windspitzen >45 Knoten gemessen. Berichten zufolge wurden auf dem Wasser bis zu 75 Knoten gemessen. Das bedeutete auch am Dienstag und am Mittwoch war für alle J70 das Auslaufen strengstens verboten. Wir bemerkten aber schnell, dass es schlimmeres gab als auf der Dachterrasse des Yachtclubs Costa Smeralda auszuharren…

Die Qualifikationsläufe

Am Donnerstag ging es dann wirklich los. In drei Qualifikationsläufen wurden die zuvor eingeteilten vier Gruppen (Rot, Grün, Blau, Gelb) mit je ca. 40 Schiffen unterschiedlich zu zwei Startgruppen kombiniert um eine möglichst faire Qualifikation zu ermöglichen. Gestartet sind somit immer ca. 80 Schiffe an einer zweigeteilten Startlinie (Boot – Startschiff—Boot). Es gab einen „outer loop“ und einen „inner loop“ um die die beiden Gruppen, die zeitversetzt starteten, auf dem Regattakurs auseinanderzuhalten. Leider konnten wir uns mit den Plätzen 43, 66 & 59 nicht für die Goldfleet qualifizieren. Nach dem Qualifikationstag wurde eine Goldfleet und eine Silverfleet gebildet, in denen an den letzten zwei Tagen weitergesegelt wurde. Da nur 3 Qualifikationsläufe zustande kamen, wurden die Punkte dieser Wettfahrten in die eigentliche Weltmeisterschaft mitgenommen.

Bei Windstärken zwischen 20 und 30 Knoten hatten wir in den Qualifikationsläufen starke Probleme mit der vorhandenen großen Welle und der fehlenden Höhe und Speed auf der Kreuz. Nach eingehender Analyse führten wir dies auf ein falsches Fock Trimm Setup für die vorherrschenden Bedingungen und fehlenden Kilos auf der hohen Kante zurück. Dies war natürlich ein Motivationsrückschlag für uns, doch wir entschlossen uns in der Silverfleet alles zu geben.

Unsere Wettfahrten in der Silverfleet

In der Silverfleet fanden wir die meisten Bodenseeteams wieder. Wir entschieden uns für ein neues Trimm Setup unter den gegebenen Bedingungen und konnten den Speed und die Höhe auf der Kreuz merklich verbessern. Was uns in den 3 Wettfahrten am Freitag und Samstag Probleme bereitete war der Start. Ein Frühstart wäre, aufgrund der Tatsache, dass es nicht sicher war ob es überhaupt einen Streicher gibt, fatal für uns gewesen. Deshalb starteten wir sehr zurückhaltend, was bei dem starken Feld wo es am Start kein Pardon gibt, zu einem schwierigen ersten Kreuzkurs führte. Mit den Rängen 31, 38 und 34 konnten wir uns gut im Mittelfeld platzieren. Die meisten Plätze machten wir auf dem Weg zur Vorlegetonne und auf dem Vorwindkurs gut, wo wir oft unsere eigenen Wege gingen und uns auf dem Weg zur Vorlegetonne nicht mit dem Gennaker und Sonnenschüssen plagten. Am Freitag kam nur eine Wettfahrt bei 15-25 Knoten Wind zustande, da der Wind zur Mittagszeit um 180 Grad drehte und dann nahezu abstellte. Am Samstag frischte der Wind noch einmal ordentlich auf und erreichte in den Böen spitzen von geschätzten 30-35 Knoten.

Das Ergebnis

Wir konnten uns den 36. Gesamtrang in der Silverfleet und dem 19. Rang in der Corinthian Wertung der Silverfleet sichern.

Weltmeister wurde der Amerikaner Peter S. Duncan vom American Yachtclub mit seinem Schiff Relative Obscurity mit unglaublichen 8 Punkten aus 5 Wettfahrten. In der letzten Wettfahrt zeigte er seine Überlegenheit, indem er mit über 1 Minute Vorsprung durchs Ziel ging.

In einem Interview mit seinem Taktiker Victor Diaz zeigte sich schnell deren große Selbstvertrauen. Sie gaben offen zu sehr passiv zu starten um keinesfalls einen Frühstart zu riskieren und vertrauten darauf, das schnellste Schiff zu sein. Mit seiner Aussage „When you are a tactician, you are just as good as how fast you go.“ machte er allen noch einmal deutlich, wie wichtig eine super Bootsgeschwindigkeit auf den verhältnismäßig langen Kreuzkursen in dieser Einheitsklasse ist. Mehrere Medienberichte stellten dies als größtes Problem der Deutschen Schiff dar, da diese auf den kurzen Kursen der Bundesliga mehr Fokus auf Manöver legten und den Bootsspeed zu wenig fokussieren würden.

Ein Resümee des Teams

Für uns war die J70 Weltmeisterschaft in Porto Cervo ein unvergessliches Erlebnis. Die Anzahl der Boote, das hohe Niveau, das tolle Segelrevier, die anspruchsvollen Bedingungen und das tolle Flair einer solchen Veranstaltung faszinierten uns und werden sicher in bleibender Erinnerung bleiben. Was die Ergebnisse betrifft sind unsere Erwartungen sicher etwas höher gelegen. Wir haben sehr viel in die Vorbereitung investiert und unser großes Ziel war es, in der „besseren Hälfte der Welt“ zu landen. Leider ist dieser Traum nicht wahrgeworden. Wir haben neue Ansätze gewonnen und kennen die aktuellen Entwicklungen der Klasse und die nächsten Europa- und Weltmeisterschaften motivieren uns weiterzuarbeiten und das BSC Sailing Team und die Pfänder vorwärts zu bringen.

Wir haben im Zuge unserer Vorbereitung zur Weltmeisterschaft alle Manöver und Abläufe schriftlich festgehalten und werden dieses Wissen und unsere Erfahrungen in kommenden Crewpooltreffen gerne an interessierte aus dem Crewpool weitergeben.

Einen großen Dank im Namen des Teams an unsere Clubmitglieder, den Vorstand, unsere Sponsoren, private Gönner und an unsere Familien für die Unterstützung vor und während der Weltmeisterschaft. Ohne diese wäre eine solche Saison nicht möglich gewesen.

David Hörburger, Martin Jäger, Klaus Diem, Denise Grabher

Ergebnis

Fotos

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